Lustige, kuriose & seltsame Seiten im Internet — kuratiert & auf einen Klick
Stell dir vor, du sitzt um drei Uhr nachts vor dem Bildschirm, hast den dritten Red Bull in der Hand, und das Leben hat dir bis hierhin nur bestätigt, was du ohnehin schon geahnt hast: Nichts ergibt einen Sinn. Dann klickst du auf sometimesredsometimesblue.com, und die Seite ist entweder rot oder blau. Mehr gibt es nicht. Kein Logo, kein Menü, kein Cookie-Banner, der dich um Erlaubnis bittet, deine Seele zu verkaufen. Nur eine Farbfläche, die sich entscheidet, wer sie heute sein will, und du sitzt davor wie ein Priester vor einem Würfelbecher, der nicht weiß, ob Gott heute würfelt oder schläft.
Das Erlebnis ist so schlicht, dass es fast beleidigend wirkt. Du lädst die Seite neu, und sie ist blau. Du lädst sie wieder, und sie ist rot. Du lädst sie fünfmal, zehnmal, und irgendwann merkst du, dass du dich in einem Zustand befindest, den Mönche in Klöstern mit Gebetsmühlen zu erreichen versuchen, nur dass du es hier mit einer Zufallsfunktion und einem Mausklick machst. Der Hintergrund ist so kompromisslos einfarbig, dass dein Gehirn anfängt, in ihn hineinzuinterpretieren, was es eben braucht: Trauer, Wut, Ruhe, Erleuchtung, je nachdem, ob gerade das Blau oder das Rot dein Wohnzimmer zur Kulisse eines schlechten Films macht. Es gibt keinen Inhalt, den man lesen müsste, und genau darin liegt die grausame Schönheit. Die Seite verlangt nichts von dir, außer dass du hinsiehst, und selbst das ist eigentlich schon zu viel verlangt in einer Welt, in der jede Website dich zu etwas überreden will.
Man muss sich klarmachen, was da technisch geschieht, sonst wird der Wahnsinn nicht vollständig. Im Quelltext steht eine kleine Anweisung, die zwei Farbcodes in eine Liste packt, nämlich #0000FF für Blau und #FF0000 für Rot, und dann per Zufall eine davon als Hintergrundfarbe des Dokuments auswählt. Das ist alles. Ein Stück Code aus einer Zeit, in der Webseiten noch so klangen, als hätten sie gerade erst gelernt, das Wort Hintergrund buchstabieren zu können. Darüber liegt ein Google-Analytics-Schnipsel, das brav protokolliert, wie oft Menschen auf diese Farbfläche starren, als wolle irgendjemand in einer Serverfarm wissen, ob die Menschheit lieber Rot oder Blau hat. Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: Hinter jeder dieser leeren Seiten sitzt ein Zähler, der still mitschreibt, dass wir alle dem Zufall applaudieren.
Kulturell gehört die Seite in eine lange Tradition von Kunst, die sich weigert, irgendetwas zu bedeuten. Damon Zucconi hat 2007 etwas geschaffen, das man ohne Übertreibung als Gegenstück zu den Gemälden von Mark Rothko verstehen kann, nur dass Rothko wenigstens noch Pinsel und Leinwand brauchte und dabei zumindest ein wenig litt. Hier genügt ein Browser, und der Künstler hat sich offenbar entschieden, dass Weniger nicht mehr ist, sondern schlicht das einzige Angebot, das man einem übersättigten Publikum noch machen kann. Die Seite ist ein stiller Kommentar zu einem Internet, das ständig schreit, blinkt und Aufmerksamkeit erpresst, und sie antwortet darauf mit einer Farbe, die sich nicht entscheiden kann oder vielleicht einfach keinen Grund sieht, es zu tun. Es ist ein Werk über das Warten, über das Vertrauen in den Zufall und über die Tatsache, dass selbst ein Zufall eine Identität haben kann, wenn man lange genug hinschaut.
Am Ende sitzt du dann da, der Red Bull ist leer, die Uhr zeigt halb vier, und du hast diese Seite zum vierzehnten Mal neu geladen. Sie ist jetzt rot, und du fühlst dich seltsam wach und zugleich seltsam leer, wie nach einer Nacht, in der man nichts erreicht und trotzdem alles gesehen hat. Sometimes red, sometimes blue. Manchmal bist du der Mensch, der sich fragt, warum er das tut, und manchmal bist du der Mensch, der genau diese Frage nach der Sinnlosigkeit lustig findet. Beides stimmt, und die Seite nimmt dir die Entscheidung ab, indem sie dir einfach eine Farbe hinstellt und dich mit deinen Gedanken allein lässt. Wenn du also das nächste Mal glaubst, das Internet habe nichts mehr zu bieten, dann lade diese Seite, schau auf das Rot oder das Blau und erinnere dich daran, dass Sinn manchmal nur eine Frage der Perspektive und des Koffeinspiegels ist.
Die Beschreibung wurde mit KI-Unterstützung erstellt und dient der Unterhaltung.